Scheuertouren von Polsterstoffen nach DIN EN ISO 12947 – Bedeutung für den Alltag

Scheuerbeständigkeit von Polsterstoffen nach DIN EN ISO 12947 – Bedeutung für den Alltag


Inhaltsverzeichnis

Maßgebliches Prüfverfahren

Was bedeutet Scheuerbeständigkeit?

Das Martindale-Prüfverfahren

Bedeutung einer Scheuertour

Keine direkte Umrechnung in Nutzungsjahre

Orientierungswerte für den privaten Gebrauch

Seltene Nutzung

Normale private Nutzung

Intensive private Nutzung

Gewerbliche Nutzung

Keine allgemeine Qualitätsnote

Pilling und Abrieb

Optische Veränderungen durch Reibung

Einfluss der Materialzusammensetzung

Flachgewebe

Velours und Samt

Chenillestoffe

Mikrofaser

Bouclé- und Schlingenstoffe

Haustiere

Kinder im Haushalt

Kleidung und Zubehör

Ungleichmäßige Nutzung

Besonders belastete Bereiche

Nähte und Stoffspannung

Polsterung und Möbelkonstruktion

Reinigung und Scheuerbelastung

Ungeeignete Reinigungsmittel

Abnehmbare und waschbare Bezüge

Lichtechtheit

Reibechtheit

Körperkontakt und Feuchtigkeit

Materialtypische Veränderungen

Anzeichen für fortgeschrittenen Abrieb

Prüfung eines gemeldeten Verschleißes

Angabe von Martindale-Werten

Produkte ohne veröffentlichten Prüfwert

Labortest und Alltag

Vergleichbarkeit verschiedener Prüfwerte

Auswahl nach Einsatzbereich

Auswahl nach Nutzungsintensität

Stoffmuster

Chargen- und Farbunterschiede

Gewährleistung und gewöhnlicher Verschleiß

Keine pauschale Ablehnung einer Reklamation

Keine Haltbarkeitsgarantie allein durch den Prüfwert

Pflege zur Verringerung unnötiger Belastung

Zusammenfassung

Transparenz der Produktinformationen

Änderung dieser Informationsseite

Offizielle Kontaktinformationen

Diese Informationsseite erläutert die Bedeutung von Scheuertouren und Martindale-Werten bei Polsterstoffen. Sie unterstützt Verbraucher dabei, technische Materialangaben sachgerecht einzuordnen und einen Bezug auszuwählen, der zum vorgesehenen Einsatzbereich des Möbelstücks passt.

Die Scheuerbeständigkeit ist nur eine von mehreren Eigenschaften eines Polsterstoffs. Ein angegebener Prüfwert stellt keine Garantie für eine bestimmte Nutzungsdauer dar und bedeutet nicht, dass ein Bezug unter allen Nutzungsbedingungen frei von Verschleiß, optischen Veränderungen oder Beschädigungen bleibt.

Maßgebliches Prüfverfahren

Die Scheuerbeständigkeit textiler Flächengebilde wird üblicherweise mit dem Martindale-Verfahren nach der Normenreihe DIN EN ISO 12947 geprüft.

Für die Beurteilung und Einordnung verschiedener Gebrauchseigenschaften von Möbelbezugsstoffen kann außerdem die Norm DIN EN 14465 herangezogen werden.

Die Norm DIN 60001 betrifft dagegen hauptsächlich die Bezeichnung und Einteilung textiler Faserstoffe. Sie legt keine eigenständigen Abriebklassen für Sofas, Sessel, Stühle oder andere Polstermöbel fest.

Was bedeutet Scheuerbeständigkeit?

Die Scheuerbeständigkeit beschreibt, wie widerstandsfähig die Oberfläche eines Stoffes gegenüber wiederholter mechanischer Reibung ist.

Beim Sitzen, Aufstehen, Drehen und Verschieben entsteht Reibung zwischen dem Möbelbezug, der Kleidung und dem Körper. Diese Belastung kann im Laufe der Nutzung zu sichtbaren oder strukturellen Veränderungen führen.

Dazu können insbesondere gehören:

– Aufrauung der Oberfläche;

– Veränderung der Faserstruktur;

– Dünnerwerden des Gewebes;

– sichtbare Scheuerstellen;

– Veränderung des Glanzes oder der Lichtreflexion;

– Farbveränderungen;

– Faserbruch;

– Freilegung tieferer Gewebeschichten;

– Lochbildung bei fortgeschrittenem Verschleiß.

Ein höherer Prüfwert weist grundsätzlich darauf hin, dass ein Stoff unter festgelegten Laborbedingungen mehr Reibungszyklen aushält, bevor das definierte Prüfende erreicht wird.

Das Martindale-Prüfverfahren

Beim Martindale-Verfahren wird eine Probe des Polsterstoffs unter festgelegtem Druck gegen ein definiertes Scheuermaterial bewegt.

Die Bewegung erfolgt in einem standardisierten, mehrdirektionalen Muster. Die Stoffprobe wird während der Prüfung in festgelegten Abständen kontrolliert.

Das Prüfende ist erreicht, wenn das für den jeweiligen Test festgelegte Verschleißmerkmal festgestellt wird. Das Ergebnis wird üblicherweise als Anzahl der Scheuertouren beziehungsweise Reibzyklen angegeben.

Eine Angabe von beispielsweise 30.000 Scheuertouren bedeutet, dass die geprüfte Stoffprobe unter den festgelegten Prüfbedingungen ungefähr diese Zahl an Scheuerbewegungen erreicht hat, bevor das definierte Endkriterium festgestellt wurde.

Bedeutung einer Scheuertour

Eine Scheuertour ist eine standardisierte Bewegung innerhalb des Prüfverfahrens.

Sie entspricht nicht unmittelbar einer Nutzung des Sofas, einem Hinsetzen, einem Nutzungstag oder einer bestimmten Anzahl von Nutzern.

Aus einem Wert von 30.000 Scheuertouren kann deshalb nicht geschlossen werden, dass das Möbelstück genau 30.000-mal verwendet werden kann oder eine festgelegte Anzahl von Jahren halten wird.

Der Prüfwert dient in erster Linie dem Vergleich von Stoffen, die nach vergleichbaren Verfahren und unter vergleichbaren Bedingungen getestet wurden.

Keine direkte Umrechnung in Nutzungsjahre

Martindale-Werte können nicht zuverlässig in Monate oder Jahre umgerechnet werden.

Die tatsächliche Lebensdauer eines Möbelbezugs hängt von zahlreichen Faktoren ab, insbesondere von:

– der täglichen Nutzungsdauer;

– der Anzahl der Nutzer;

– dem Körpergewicht und Sitzverhalten;

– der bevorzugten Sitzposition;

– der Art der Kleidung;

– der Nutzung durch Kinder;

– der Nutzung durch Haustiere;

– der Reinigungs- und Pflegeweise;

– der Sonneneinstrahlung;

– der Luftfeuchtigkeit und dem Raumklima;

– der Stoffspannung;

– der Konstruktion von Nähten und Kanten;

– der Beschaffenheit von Polsterung und Unterbau;

– der gleichmäßigen oder punktuellen Belastung.

Ein hoher Laborwert kann daher keine feste Nutzungsdauer garantieren.

Orientierungswerte für den privaten Gebrauch

Im Möbelbereich werden Martindale-Werte häufig bestimmten Nutzungsintensitäten zugeordnet. Die folgenden Bereiche dienen ausschließlich als allgemeine Orientierung und stellen keine gesetzlich verbindlichen Nutzungsklassen dar.

Bis etwa 10.000 Scheuertouren: Dieser Bereich kann für dekorative Flächen oder sehr selten genutzte Möbel geeignet sein. Für regelmäßig beanspruchte Sitzflächen ist ein solcher Wert häufig weniger zweckmäßig.

Etwa 10.000–15.000 Scheuertouren: Stoffe in diesem Bereich können für eine leichte private Nutzung geeignet sein, beispielsweise für einen gelegentlich verwendeten Sessel oder ein Möbelstück in einem Gästezimmer.

Etwa 15.000–25.000 Scheuertouren: Dieser Bereich kann für eine gewöhnliche private Nutzung geeignet sein, sofern das Möbelstück keiner außergewöhnlich hohen Belastung ausgesetzt wird.

Etwa 25.000–40.000 Scheuertouren: Solche Werte werden häufig für regelmäßig genutzte Sofas, Sessel, Sitzbänke und Esszimmerstühle im privaten Haushalt gewählt.

Mehr als 40.000 Scheuertouren: Ein solcher Wert kann bei intensiver privater Nutzung, mehreren Haushaltsmitgliedern oder häufig genutzten Sitzmöbeln sinnvoll sein.

Mehr als 60.000 Scheuertouren: Sehr hohe Werte können für besonders stark beanspruchte private Möbel oder bestimmte gewerbliche Einsatzbereiche geeignet sein.

Die Eignung eines Stoffes darf jedoch nicht allein anhand der Zahl der Scheuertouren beurteilt werden.

Seltene Nutzung

Ein Möbelstück, das nur gelegentlich verwendet wird, ist einer geringeren mechanischen Belastung ausgesetzt als ein täglich genutztes Sofa.

Für einen dekorativen Sessel, eine gepolsterte Bank im Schlafzimmer oder ein Möbelstück in einem selten genutzten Gästezimmer kann daher ein niedrigerer Martindale-Wert ausreichend sein.

Auch bei seltener Nutzung müssen jedoch weitere Eigenschaften wie Lichtechtheit, Stoffspannung, Nahtfestigkeit und Pflegeanforderungen berücksichtigt werden.

Normale private Nutzung

Unter normaler privater Nutzung wird die regelmäßige Verwendung eines Sitzmöbels durch eine oder mehrere Personen in einem gewöhnlichen Haushalt verstanden.

Dazu können beispielsweise gehören:

– tägliches Sitzen am Abend;

– regelmäßige Nutzung durch Familienmitglieder;

– gelegentliche Nutzung durch Gäste;

– gewöhnliche Belastung durch Alltagskleidung;

– regelmäßiges Aufstehen und Hinsetzen.

Für diese Nutzungsart wird häufig ein Stoff mit mittlerem bis höherem Martindale-Wert gewählt.

Intensive private Nutzung

Eine intensive private Nutzung kann vorliegen, wenn ein Sofa über viele Stunden täglich verwendet wird, mehrere Personen regelmäßig dieselben Sitzplätze nutzen oder das Möbelstück zusätzlich zum Sitzen häufig zum Liegen verwendet wird.

Auch Haushalte mit Kindern oder Haustieren können erhöhte Anforderungen an einen Möbelbezug stellen.

In solchen Fällen sollten neben einem höheren Martindale-Wert insbesondere folgende Eigenschaften berücksichtigt werden:

– dichte Gewebestruktur;

– gute Nahtfestigkeit;

– geringe Neigung zum Fadenziehen;

– geeignete Pillingbeständigkeit;

– leichte Reinigbarkeit;

– geeignete Farbechtheit;

– robuste Oberflächenkonstruktion.

Gewerbliche Nutzung

In Hotels, Ferienwohnungen, Büros, Wartebereichen, Restaurants oder anderen gewerblich genutzten Räumen können Polsterstoffe deutlich häufiger und durch wechselnde Personen beansprucht werden.

Für solche Bereiche können neben der Scheuerbeständigkeit weitere Anforderungen bestehen, unter anderem an:

– Brandverhalten;

– Reinigungsfähigkeit;

– Lichtechtheit;

– Reibechtheit;

– Nahtschiebewiderstand;

– Pillingbeständigkeit;

– hygienische Reinigung;

– Einsatz in öffentlich zugänglichen Räumen.

Ein hoher Martindale-Wert allein bestätigt nicht, dass ein Stoff für jeden gewerblichen oder öffentlichen Einsatz geeignet oder zugelassen ist.

Keine allgemeine Qualitätsnote

Der Martindale-Wert beschreibt ausschließlich die Beständigkeit gegenüber einer bestimmten standardisierten Reibungsbelastung.

Ein Stoff mit 80.000 Scheuertouren ist daher nicht automatisch in jeder Hinsicht hochwertiger oder für jeden Haushalt geeigneter als ein Stoff mit 35.000 Scheuertouren.

Ein Stoff kann eine hohe Scheuerbeständigkeit aufweisen und dennoch:

– zur Pillingbildung neigen;

– empfindlich gegenüber Sonnenlicht sein;

– Flüssigkeiten schnell aufnehmen;

– durch Tierkrallen Fäden ziehen;

– schwer zu reinigen sein;

– an Nähten empfindlicher sein;

– bei feuchter oder trockener Reibung Farbe übertragen;

– auf Druck mit sichtbaren Veränderungen reagieren.

Für die Auswahl eines Bezugs müssen deshalb mehrere Stoffeigenschaften gemeinsam beurteilt werden.

Pilling und Abrieb

Pilling bezeichnet die Bildung kleiner Faserknötchen auf der Oberfläche eines Textils.

Diese Knötchen können aus Fasern des Bezugsstoffs oder aus Fremdfasern von Kleidung, Decken und anderen Textilien bestehen.

Ein Stoff kann einen hohen Martindale-Wert besitzen und dennoch Pilling zeigen.

Leichte Pillingbildung bedeutet nicht automatisch, dass der Stoff strukturell durchgescheuert oder mangelhaft ist.

Die Pillingbeständigkeit wird unabhängig von der Scheuerbeständigkeit beurteilt.

Optische Veränderungen durch Reibung

Durch wiederholte Reibung kann sich die optische Wirkung eines Stoffes verändern, bevor ein tatsächlicher Faserbruch eintritt.

Bei Velours, Samt, Chenille und anderen Stoffen mit ausgeprägter Oberflächenstruktur kann sich die Lage der Fasern verändern.

Dadurch können je nach Blickrichtung und Lichteinfall hellere oder dunklere Bereiche entstehen. Solche Erscheinungen werden häufig als Sitzspiegel, Schattierung oder Florverlagerung bezeichnet.

Diese Veränderungen sind nicht automatisch mit einem Durchscheuern des Stoffes gleichzusetzen.

Einfluss der Materialzusammensetzung

Die Scheuerbeständigkeit hängt nicht ausschließlich davon ab, ob ein Stoff aus natürlichen oder synthetischen Fasern besteht.

Entscheidend sind unter anderem:

– Faserfestigkeit;

– Garnkonstruktion;

– Web- oder Strickbindung;

– Oberflächenbehandlung;

– Materialmischung;

– Stoffdichte;

– Florhöhe;

– Rückseitenbeschichtung;

– Verarbeitung auf dem Möbelstück.

Synthetische Fasern wie Polyester können hohe Abriebwerte ermöglichen. Naturfasern können dagegen andere Eigenschaften wie Feuchtigkeitsaufnahme, Haptik oder eine charakteristische Oberflächenwirkung besitzen.

Flachgewebe

Flachgewebe besitzen eine erkennbare Webstruktur und keinen ausgeprägten Flor.

Je nach Fadendichte, Garnart und Bindung können sie sehr widerstandsfähig sein.

Grob strukturierte Flachgewebe können jedoch empfindlicher gegenüber herausgezogenen Fäden sein. Solche Schäden können beispielsweise durch Schmuck, Reißverschlüsse, Klettverschlüsse, Tierkrallen oder scharfkantige Gegenstände entstehen.

Ein hoher Martindale-Wert verhindert punktuelle Fadenzieher nicht vollständig.

Velours und Samt

Velours- und Samtstoffe besitzen eine aufgerichtete Faseroberfläche.

Durch Druck, Körperwärme, Feuchtigkeit und regelmäßige Nutzung kann sich die Lage des Flors verändern.

Dadurch können Druckstellen, Sitzspiegel oder unterschiedliche Lichtreflexionen entstehen, obwohl der Stoff noch keinen strukturellen Abrieb aufweist.

Der Martindale-Wert sollte deshalb gemeinsam mit Angaben zum Florverhalten, zur Druckempfindlichkeit und zur Pflege beurteilt werden.

Chenillestoffe

Chenillestoffe besitzen häufig eine weiche, voluminöse und strukturierte Oberfläche.

Je nach Konstruktion können sie eine gute Scheuerbeständigkeit erreichen, zugleich aber empfindlich auf starke punktuelle Reibung, Tierkrallen, Klettverschlüsse oder scharfe Gegenstände reagieren.

Leichte Veränderungen der Faserlage sind nicht automatisch ein Zeichen für einen strukturellen Stoffschaden.

Mikrofaser

Mikrofaserbezüge bestehen aus besonders feinen synthetischen Fasern und können eine dichte Oberfläche sowie hohe Abriebwerte erreichen.

Die Alltagseignung hängt dennoch von der konkreten Materialkonstruktion und Oberflächenbehandlung ab.

Hautfette, Kosmetika, ungeeignete Reinigungsmittel oder punktuelle Verschmutzungen können sichtbare Veränderungen verursachen, die nicht unmittelbar auf eine zu geringe Scheuerbeständigkeit zurückzuführen sind.

Bouclé- und Schlingenstoffe

Boucléstoffe besitzen eine strukturierte, häufig schlingenartige Oberfläche.

Diese Struktur kann optisch und haptisch gewünscht sein, erhöht jedoch je nach Ausführung das Risiko, dass sich Tierkrallen, Schmuck, Reißverschlüsse oder andere Gegenstände verfangen.

Ein hoher Martindale-Wert bedeutet nicht, dass einzelne Schlingen nicht herausgezogen werden können.

Haustiere

Das Martindale-Verfahren simuliert keine Tierkrallen, Bisse oder grabenden Bewegungen.

Auch ein Stoff mit hoher Scheuerbeständigkeit kann durch eine einzelne scharfe Kralle beschädigt werden.

Für Haushalte mit Haustieren können folgende Eigenschaften besonders relevant sein:

– dichte und möglichst glatte Oberfläche;

– geringe Schlingenbildung;

– geringe Neigung zum Fadenziehen;

– gute Reinigbarkeit;

– geeignete Farbe oder Musterung;

– abnehmbare oder austauschbare Bezüge.

Kein gewöhnlicher Möbelstoff kann allgemein als vollständig krallenfest, bissfest oder tierbeständig garantiert werden.

Kinder im Haushalt

In Haushalten mit Kindern entstehen häufig kombinierte Belastungen aus Reibung, Verschmutzung, punktuellem Druck und wiederholter Reinigung.

Ein geeigneter Stoff sollte daher nicht nur eine angemessene Scheuerbeständigkeit besitzen, sondern auch pflegefreundlich, farbbeständig und für die typischen Alltagsbelastungen geeignet sein.

Abnehmbare Bezüge können praktisch sein. Eine Maschinenwaschbarkeit besteht jedoch nur, wenn sie ausdrücklich in der Pflegekennzeichnung oder Produktbeschreibung bestätigt wird.

Kleidung und Zubehör

Raue Jeansstoffe, Metallnieten, Reißverschlüsse, Gürtel, Taschen, Schlüssel, Schmuck und Klettverschlüsse können Möbelbezüge stärker belasten als weiche Kleidung.

Punktuelle Metall- oder Kunststoffteile können örtlich begrenzte Schäden verursachen, die durch einen allgemeinen Martindale-Wert nicht zuverlässig vorhergesagt werden können.

Stark abfärbende Kleidung kann außerdem sichtbare Verfärbungen auf hellen Möbelstoffen verursachen.

Ungleichmäßige Nutzung

Viele Sofas und Sessel werden nicht gleichmäßig genutzt. Häufig wird dauerhaft derselbe Sitzplatz bevorzugt.

Dadurch konzentrieren sich Reibung, Druck, Körperwärme und Feuchtigkeit auf eine begrenzte Fläche.

Dieser Bereich kann deshalb früher sichtbare Veränderungen zeigen als selten genutzte Sitzflächen.

Eine wechselnde Nutzung der Sitzplätze kann dazu beitragen, die Belastung gleichmäßiger zu verteilen.

Besonders belastete Bereiche

Besonders beansprucht werden häufig:

– Vorderkanten der Sitzflächen;

– Armlehnen;

– Kopfstützen;

– Übergänge zwischen Sitz und Rücken;

– Nähte;

– Ecken;

– Bereiche mit regelmäßigem Hautkontakt.

Der gleiche Bezug kann an diesen Stellen früher Veränderungen zeigen als an wenig belasteten Rücken- oder Seitenflächen.

Nähte und Stoffspannung

Die Haltbarkeit eines Polsterbezugs hängt nicht nur von der Stofffläche ab.

Auch Nähgarn, Nahtkonstruktion, Stichlänge, Nahtzugabe, Schnittführung und Stoffspannung beeinflussen die Gebrauchseigenschaften.

Ein abriebfester Stoff kann an einer ungünstig belasteten oder dauerhaft stark gespannten Naht dennoch beschädigt werden.

Nahtschäden und Flächenabrieb müssen deshalb getrennt beurteilt werden.

Polsterung und Möbelkonstruktion

Ein weiches Polster lässt den Bezug bei Belastung stärker bewegen und falten als eine feste Oberfläche.

Diese Bewegung kann zusätzliche Reibung innerhalb des Stoffes verursachen.

Auch natürliche Faltenbildung, Sitzkuhlen und das Nachlassen von Polstermaterial können die örtliche Belastung des Bezugs verändern.

Der Martindale-Wert beschreibt nicht die Qualität des Schaums, der Federung, der Nähte oder des Möbelrahmens.

Reinigung und Scheuerbelastung

Intensives Reiben bei der Fleckenentfernung kann einen Polsterstoff stärker beanspruchen als die gewöhnliche Nutzung.

Flecken sollten daher nicht mit harten Bürsten, Scheuerschwämmen oder aggressiven Reinigungsmitteln bearbeitet werden, sofern dies nicht ausdrücklich für das konkrete Material zugelassen ist.

Grundsätzlich wird empfohlen:

– Verschmutzungen möglichst früh zu behandeln;

– Flüssigkeiten vorsichtig aufzunehmen;

– starkes Reiben zu vermeiden;

– saubere, helle und weiche Tücher zu verwenden;

– Reinigungsmittel zunächst an einer unauffälligen Stelle zu prüfen;

– die produktspezifischen Pflegehinweise zu beachten;

– übermäßige Feuchtigkeit zu vermeiden.

Ungeeignete Reinigungsmittel

Lösungsmittel, Bleichmittel, konzentrierter Alkohol, aggressive Allzweckreiniger und stark alkalische Mittel können Fasern, Farben, Beschichtungen und Ausrüstungen beschädigen.

Eine durch ungeeignete Reinigungsmittel verursachte chemische Beschädigung ist nicht mit einer unzureichenden Scheuerbeständigkeit gleichzusetzen.

Auch nicht geprüfte Hausmittel können Fleckenränder, Verhärtungen, Farbverlust oder Oberflächenveränderungen verursachen.

Abnehmbare und waschbare Bezüge

Ein abnehmbarer Möbelbezug ist nicht automatisch maschinenwaschbar.

Waschen, Schleudern, maschinelles Trocknen oder Bügeln kann Maße, Farben, Beschichtungen und die Form des Stoffes verändern.

Eine Waschbarkeit besteht nur, wenn sie ausdrücklich durch die Pflegekennzeichnung oder Produktinformation bestätigt wird.

Eine hohe Scheuerbeständigkeit sagt nichts über die Waschbeständigkeit eines Bezugs aus.

Lichtechtheit

Die Lichtechtheit beschreibt die Widerstandsfähigkeit einer Farbe gegenüber Lichteinwirkung.

Direkte und intensive Sonneneinstrahlung kann Farben verändern, selbst wenn ein Stoff einen hohen Martindale-Wert aufweist.

Dunkle, intensive oder bestimmte natürliche Farbtöne können Farbveränderungen anders zeigen als helle oder melierte Stoffe.

Polstermöbel sollten nach Möglichkeit vor dauerhafter direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden.

Reibechtheit

Die Reibechtheit beschreibt, in welchem Umfang Farbe bei trockener oder feuchter Reibung auf andere Materialien übertragen werden kann.

Sie ist von der mechanischen Scheuerbeständigkeit zu unterscheiden.

Ein Stoff kann mechanisch widerstandsfähig sein und dennoch unter bestimmten Bedingungen Farbe übertragen.

Ebenso können stark abfärbende Kleidungsstücke Verfärbungen auf einem hellen Möbelbezug verursachen.

Körperkontakt und Feuchtigkeit

Körperwärme, Schweiß, Hautfette, Kosmetika und Haarpflegeprodukte können die Oberfläche eines Polsterstoffs langfristig beeinflussen.

Besonders betroffen sind häufig Kopfstützen, Armlehnen und bevorzugte Sitzplätze.

Diese Belastungen werden durch die reine Zahl der Scheuertouren nicht vollständig abgebildet.

Eine regelmäßige und materialgerechte Pflege kann Ablagerungen und daraus entstehende Oberflächenveränderungen reduzieren.

Materialtypische Veränderungen

Je nach Stoffart können folgende Erscheinungen materialtypisch sein und stellen nicht automatisch einen Abriebmangel dar:

– leichte Faltenbildung;

– Veränderung der Florlage;

– Sitzspiegel;

– Schattierungen;

– geringe Pillingbildung;

– leichte Weichzeichnung der Oberfläche;

– optische Veränderungen durch unterschiedlichen Lichteinfall;

– geringfügige Unterschiede zwischen Produktionschargen.

Ob eine Veränderung innerhalb des üblichen materialtypischen Bereichs liegt, ist anhand des konkreten Stoffes, des Nutzungszeitraums, der Nutzungshäufigkeit und der Pflegebedingungen zu beurteilen.

Anzeichen für fortgeschrittenen Abrieb

Mögliche Hinweise auf einen strukturellen Abrieb können sein:

– deutlich dünner werdende Stoffstellen;

– freiliegende Grundstruktur des Gewebes;

– gebrochene Fäden in größerem Umfang;

– sich vergrößernde offene Gewebestellen;

– sichtbares Polster- oder Trägermaterial;

– Lochbildung.

Oberflächliche Druckstellen, Florveränderungen, Pilling oder Farbveränderungen müssen von einem strukturellen Abrieb unterschieden werden.

Prüfung eines gemeldeten Verschleißes

Bei einer Meldung über einen möglicherweise ungewöhnlich frühen Stoffverschleiß können zur sachgerechten Prüfung insbesondere folgende Informationen erforderlich sein:

– Bestellnummer;

– genaue Produktbezeichnung;

– Datum der Lieferung oder ersten Nutzung;

– Beschreibung der betroffenen Stelle;

– Übersichtsfotos des Möbelstücks;

– Nahaufnahmen des Stoffes;

– Angaben zur Nutzungshäufigkeit;

– Angaben zur Reinigung und Pflege;

– Angaben zu Haustieren oder besonderen Belastungen.

Die Anforderung solcher Informationen dient der Prüfung des konkreten Sachverhalts und schränkt gesetzliche Mängelrechte nicht ein.

Angabe von Martindale-Werten

Wird auf einer Produktseite ein Martindale-Wert angegeben, muss sich dieser auf eine nachvollziehbare technische Angabe des Herstellers, Lieferanten oder einer entsprechenden Prüfunterlage beziehen.

Für Stoffvarianten ohne bestätigte technische Daten werden keine Prüfwerte frei geschätzt oder von lediglich ähnlich aussehenden Stoffen übernommen.

Unterschiedliche Farben, Materialmischungen oder Produktionschargen können unterschiedliche technische Eigenschaften besitzen.

Ein Prüfwert darf deshalb nur auf mehrere Varianten übertragen werden, wenn deren technische Vergleichbarkeit bestätigt ist.

Produkte ohne veröffentlichten Prüfwert

Liegt für einen bestimmten Möbelbezug kein bestätigter Martindale-Wert vor, wird keine fiktive Scheuertourenzahl angegeben.

Das Fehlen einer veröffentlichten Zahl bedeutet nicht automatisch, dass ein Stoff ungeeignet oder minderwertig ist.

Es bedeutet lediglich, dass für die konkrete Variante keine bestimmte Scheuertourenzahl als bestätigte technische Produkteigenschaft dargestellt wird.

Labortest und Alltag

Ein standardisierter Labortest schafft vergleichbare Prüfbedingungen.

Die tatsächliche Nutzung eines Polstermöbels ist dagegen nicht vollständig standardisiert.

Im Alltag können verschiedene Belastungen gleichzeitig auf den Stoff einwirken:

– Reibung;

– Druck;

– Zug;

– Feuchtigkeit;

– Wärme;

– Licht;

– Verschmutzungen;

– Reinigungsmittel;

– Tierkrallen;

– scharfkantige Gegenstände.

Der Martindale-Wert ist deshalb als technischer Vergleichswert und nicht als vollständige Simulation sämtlicher Haushaltsbedingungen zu verstehen.

Vergleichbarkeit verschiedener Prüfwerte

Martindale-Werte sind besonders aussagekräftig, wenn die verglichenen Stoffe nach derselben Prüfmethode und unter vergleichbaren Bedingungen getestet wurden.

Ergebnisse aus unterschiedlichen Prüfverfahren dürfen nicht ohne Weiteres gleichgesetzt werden.

Neben dem Martindale-Verfahren existieren weitere internationale Abriebprüfungen, darunter das Wyzenbeek-Verfahren.

Die dort ermittelten Doppelreibungen können nicht unmittelbar in Martindale-Scheuertouren umgerechnet werden.

Eine allgemein verlässliche Umrechnungsformel besteht nicht.

Auswahl nach Einsatzbereich

Bei der Auswahl eines Polsterstoffs sollte zunächst der tatsächliche Einsatzbereich berücksichtigt werden.

Gästezimmer: Bei nur gelegentlicher Nutzung kann ein niedrigerer Wert ausreichend sein.

Wohnzimmer: Regelmäßige tägliche Nutzung erfordert gewöhnlich eine höhere Alltagstauglichkeit.

Familienhaushalt: Scheuerbeständigkeit, Reinigungsfähigkeit und Fleckenempfindlichkeit sollten gemeinsam bewertet werden.

Esszimmer: Häufiges Aufstehen, Kontakt mit Kleidung und mögliche Verschmutzungen durch Lebensmittel sind relevant.

Homeoffice: Ein täglich über mehrere Stunden genutzter Polsterstuhl kann örtlich stark beansprucht werden.

Ferienwohnung: Wechselnde Nutzer und häufigere Reinigung können erhöhte Anforderungen verursachen.

Auswahl nach Nutzungsintensität

Ein höherer Martindale-Wert kann sinnvoll sein, wenn:

– das Möbelstück täglich mehrere Stunden genutzt wird;

– mehrere Personen denselben Sitzplatz verwenden;

– Kinder im Haushalt leben;

– Haustiere Zugang zum Möbelstück haben;

– regelmäßig Gäste empfangen werden;

– das Möbelstück häufig zum Liegen genutzt wird;

– der Bezug regelmäßig gereinigt werden muss.

Bei geringer oder rein dekorativer Nutzung kann ein niedrigerer Wert ausreichend sein, sofern die übrigen Materialeigenschaften zum Einsatzbereich passen.

Stoffmuster

Ein Stoffmuster kann helfen, Farbe, Struktur, Griff und Oberflächenwirkung vor dem Kauf einzuschätzen.

Ein kleines Muster ermöglicht jedoch keine vollständige Beurteilung der optischen Wirkung auf einer großen Möbeloberfläche.

Die Scheuerbeständigkeit kann durch eigenes Reiben oder Berühren eines Musters nicht zuverlässig bestimmt werden.

Für technische Prüfwerte sind die bestätigten Produkt- oder Prüfunterlagen maßgeblich.

Chargen- und Farbunterschiede

Textile Stoffe können zwischen unterschiedlichen Produktionschargen geringfügige Farb-, Struktur- oder Griffunterschiede aufweisen.

Diese Unterschiede verändern nicht automatisch den angegebenen Abriebwert.

Bei später bestellten Ersatzkissen, Stoffteilen oder Erweiterungsmodulen kann dennoch eine optische Abweichung zu einem bereits verwendeten Bezug auftreten.

Gewährleistung und gewöhnlicher Verschleiß

Die Angabe eines Martindale-Werts schließt gesetzliche Mängelrechte nicht aus.

Entspricht ein Polsterstoff bei Übergabe nicht der vereinbarten Beschaffenheit oder weist er einen rechtlich relevanten Sachmangel auf, gelten die gesetzlichen Gewährleistungsregelungen.

Gewöhnlicher Verschleiß, der durch langjährige, intensive oder unsachgemäße Nutzung entsteht, stellt dagegen nicht automatisch einen Sachmangel dar.

Ob ein ungewöhnlich früher Abrieb mangelbedingt ist, muss im Einzelfall anhand der Produktbeschaffenheit, der Nutzungsdauer, der Belastung, der Pflege und des konkreten Schadensbildes beurteilt werden.

Keine pauschale Ablehnung einer Reklamation

Eine Reklamation wird nicht allein mit dem allgemeinen Hinweis abgelehnt, dass Polsterstoffe gewöhnlichem Verschleiß unterliegen.

Umgekehrt begründet nicht jede sichtbare Oberflächenveränderung automatisch einen Anspruch auf Austausch, Reparatur oder Erstattung.

Erforderlich ist eine sachliche Prüfung des jeweiligen Einzelfalls.

Keine Haltbarkeitsgarantie allein durch den Prüfwert

Die Angabe einer bestimmten Zahl von Scheuertouren ist grundsätzlich eine technische Materialinformation.

Sie stellt nur dann eine besondere Haltbarkeitsgarantie dar, wenn eine solche Garantie ausdrücklich, eindeutig und mit einem konkreten Umfang erklärt wurde.

Aus der bloßen Angabe von beispielsweise 50.000 Scheuertouren folgt keine automatische Garantie über eine bestimmte Zahl von Monaten oder Jahren.

Pflege zur Verringerung unnötiger Belastung

Folgende Maßnahmen können dazu beitragen, unnötigen Stoffverschleiß zu verringern:

– Oberflächen regelmäßig mit einer geeigneten weichen Düse absaugen;

– Krümel, Sand und andere harte Partikel entfernen;

– Sitzplätze nach Möglichkeit wechseln;

– lose Kissen entsprechend den Pflegehinweisen wenden und aufschütteln;

– Flecken möglichst früh und ohne starkes Reiben behandeln;

– scharfe Gegenstände vom Bezug fernhalten;

– Tierkrallen regelmäßig pflegen und Kratzen am Möbel verhindern;

– direkte und dauerhafte Sonneneinstrahlung reduzieren;

– ausschließlich geeignete Pflegeprodukte verwenden;

– produktspezifische Reinigungs- und Pflegehinweise beachten.

Auch bei ordnungsgemäßer Pflege können natürliche und nutzungsbedingte Veränderungen nicht vollständig verhindert werden.

Zusammenfassung

Der Martindale-Wert ist ein technischer Vergleichswert für die Widerstandsfähigkeit eines Polsterstoffs gegenüber standardisierter Reibung.

Für die praktische Einordnung gilt:

1. Ein höherer Wert kann auf eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber mechanischer Scheuerbelastung hinweisen.

2. Die Zahl kann nicht unmittelbar in Nutzungsjahre umgerechnet werden.

3. Pilling, Lichtechtheit, Pflegeeigenschaften, Fleckenempfindlichkeit und Fadenziehen werden nicht allein durch den Martindale-Wert beschrieben.

4. Haustierkrallen, scharfe Gegenstände und punktuelle Belastungen werden durch das Prüfverfahren nicht vollständig simuliert.

5. Für intensiv genutzte Möbel ist häufig ein höherer Prüfwert sinnvoll als für selten genutzte oder dekorative Möbel.

6. Die tatsächliche Eignung hängt vom gesamten Stoffaufbau, der Möbelkonstruktion und den Bedingungen im jeweiligen Haushalt ab.

Transparenz der Produktinformationen

Technische Angaben zu einem Polsterstoff werden nur veröffentlicht, soweit entsprechende Informationen für die konkrete Stoffvariante vorliegen.

woodlia stellt eine Scheuertourenzahl nicht als amtliche Qualitätsnote, gesetzliche Abriebklasse oder garantierte Nutzungsdauer dar.

Fehlt für eine Variante eine bestätigte Prüfangabe, wird keine Zahl aus anderen Produkten übernommen oder frei geschätzt.

Bei Abweichungen zwischen dieser allgemeinen Informationsseite und einer ausdrücklich bestätigten technischen Produktinformation ist die für das konkrete Produkt bereitgestellte Angabe maßgeblich, soweit zwingende gesetzliche Vorschriften nichts anderes bestimmen.

Änderung dieser Informationsseite

Diese Informationsseite kann angepasst werden, wenn sich Normbezeichnungen, technische Prüfverfahren, Produktsortimente oder Materialangaben ändern.

Eine spätere Änderung dieser allgemeinen Erläuterungen verändert nicht rückwirkend die ausdrücklich vereinbarte Beschaffenheit einer bereits gekauften Ware.

Offizielle Kontaktinformationen

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